(english version below)

Im Blog «Probieren geht über Studieren» hast Du Deine Stärken und Deine zur Verfügung stehenden Mittel evaluiert. Diese Inventarliste gibt Dir die nötige Sicherheit in der Unternehmerwelt, die von höchster Unsicherheit geprägt ist. Auch erfahrene Entrepreneure verfolgen diese Logik. Superpreneure wissen, dass sie die Zukunft nicht vorhersagen können, vielmehr versuchen sie deshalb die Zukunft durch eine neue Art der Problemlösung zu beeinflussen. Sie lassen sich dabei von ihren vorhandenen Mitteln leiten. Auf Dich angewandt bedeutet dies, dass Du – geleitet durch Deine Individualität, Deine Kontakte und Deine Fähigkeiten – eine eigene Vorstellung (eine Vision) davon entwickeln solltest, wie Deine Lösung für das von Dir identifizierte Problem aussieht und wie Du diese Lösung angehst. Dabei wirst Du auf dem Weg zur Lösungsfindung weitere Problemfelder erkennen, die Du zeitgleich lösen kannst. Mit der Zeit entsteht ein sogenanntes Zielportfolio, bei dem ein Ziel durch ein anderes ergänzt, ersetzt oder vervollständigt wird.

Nun fragst Du Dich bestimmt: «Schwimme ich nicht ziellos in die eine oder andere Richtung und überlasse mit diesem Ansatz alles dem Zufall?» Erfolgreiche Unternehmer sprechen oft von den Visionen, die sie am Anfang ihrer unternehmerischen Handlung geleitet haben. So erklärte der Amazon-Gründer Jeff Bezos bereits in den 1990er Jahren, dass er weltweit der größte Online-Vertrieb schaffen wird. Ein aktuelleres Beispiel: Was sagst Du zu Elon Musks Vision mit SpaceX den Mars zu kolonisieren und Weltraumurlaub anzubieten? Klingt das für Dich verrückt oder visionär? Jedenfalls können wir zum heutigen Zeitpunkt nicht klar sagen, ob dies in Zukunft möglich sein wird.

Kennst Du das Prinzip des «Retrospektive-Bias»? Kurz erklärt besagt der Retrospektive-Bias, dass Du im Nachhinein immer klüger bist. Sprich, im Nachhinein war Deine Lösung die einzig logische und der Weg, den Du eingeschlagen hast, die ganze Zeit klar vorgegeben. Stehst Du jedoch am Anfang Deiner unternehmerischen Reise, dann musst Du viele Entscheidungen treffen. Du wirst auf dem Weg vielen Wegkreuzungen begegnen, an denen Du Dich für eine Richtung entscheiden musst. Hier liegt auch das Problem von Visionen und Zielen, denn erst in der Zukunft weisst Du, ob Deine Vision und Deine Ziele Utopien sind oder sie doch verwirklicht werden können.

 

Der ehemalige deutsche Bundeskanzler Helmut Schmidt sagte: «Wer Visionen hat, sollte einen Arzt aufsuchen.»

 

Kurz gesagt liegt das Problem von Visionen und Zielen darin, dass sie Dir ein Gefühl der Sicherheit geben. Diese Sicherheit existiert jedoch nur auf dem Papier. Nichtsdestotrotz sind Visionen mächtig, solange sie kongruent mit Deiner eigenen Identität sind. Prüfe, ob Du Deine Vision durch Deine eigenen Fähigkeiten und Dein Netzwerk erreichen kannst, wobei Deine Vision Dir als grobe Richtlinie dienen soll, nicht aber als handlungsleitender Wegweiser. Durch die persönliche Identifikation mit dem erkannten Problem und der Nutzung Deiner Möglichkeiten steigerst Du Deine intrinsische Motivation, eine Lösung für dieses Problem zu finden, und treibst so Dein unternehmerisches Handeln voran.

Zu Beginn Deiner unternehmerischen Tätigkeiten verfügst Du noch über keine klaren Marktinformationen, da der Markt noch nicht existiert – ein sogenannter Blue Ocean – bzw. Du für Dein uniques Produkt oder Dienstlesitung keine Daten hast. Deshalb macht es wenig Sinn, wenn Du in dieser anfänglich äusserst unsicheren Situation fixe Ziele definierst und all Deine Ressourcen, Deine Zeit und Deine Mittel auf diese Ziele richtest. Du würdest Dich in einer falschen Sicherheit wiegen und Dich gegenüber den schnellen Veränderungen Deiner Umwelt verschließen. Umso wichtiger ist es, dass Du Deine vorhandenen Mittel nutzt, um loszulegen. Dadurch kannst Du sogleich anfangen unternehmerisch tätig zu werden. Erst wenn das Unternehmen wächst, ist die Zeit reif für konkrete Ziele, die gemeinschaftliche Aktivitäten koordinieren und organisieren.

Die unternehmerische Methode bringt Dich also nicht dazu, ziellos zu handeln. Vielmehr lernst Du dadurch, Deine Vision und Ziele von Deiner Identität und Deinen vorhandenen Mitteln abzuleiten. Demzufolge sind Ziele nicht der Startpunkt Deiner unternehmerischen Tätigkeit, sondern das Ergebnis Deines Handelns.

Der Vorteil der unternehmerischen Methode liegt entsprechend klar darin, dass Du durch das «Leitenlassen» von Deinen Mitteln verschiedene Wege ausprobierst, ehe Du den richtigen Weg gefunden hast. Dies ist wichtig, denn selten ist die erste Idee die endgültige Lösung. So soll voreiliges Handeln verhindert, dafür jedoch die beste Problemlösung als Ziel im Verlaufe Deiner unternehmerischen Reise entdeckt werden. Auf diesem Weg wirst Du nacheinander weitere Ziele finden und lösen, wodurch Du wahren Kundennutzen stiftest.

 


 

In the blog "The proof of the pudding is in the eating" you have evaluated your strengths and your means. This inventory gives you the necessary security in the entrepreneurial world, which is characterized by the highest degree of uncertainty. Even experienced entrepreneurs follow this logic. Superpreneurs know that they cannot predict the future; instead, they try to influence the future through a new way of solving problems. In doing so, they let their existing resources guide themselves. When applied to you, this means that you - guided by your individuality, your contacts, and your skills - should develop your idea (a vision) of what your solution to your identified problem will look like and how you will approach that solution. In the process, you will identify further problem areas along the way, which you can solve simultaneously. Over time, a so-called goal portfolio will develop, in which a goal is supplemented, replaced, or completed by another.

Now you are probably asking yourself: "Am I not swimming aimlessly in one direction or the other, leaving everything to chance with this approach?" Successful entrepreneurs often speak of the visions that guided them at the beginning of their entrepreneurial activity. Amazon founder Jeff Bezos, for example, declared back in the 1990s that he would create the world's largest online sales distributer. A more recent example: What do you think about Elon Musk's vision to colonize Mars with SpaceX and offer space vacations? Does that sound crazy or visionary to you? In any case, we can't say for sure at this point whether this will be possible in the future.

Do you know the principle of "retrospective bias"? Briefly explained, the retrospective bias says that you are always wiser in retrospect. In other words, in retrospect, your solution was the only reasonable one, and the path you took was clearly defined the whole time. But if you are at the start of your entrepreneurial journey, you have to make many decisions. You will encounter many junctions along the way where you have to decide which direction to take. Here lies the problem of visions and goals, for only in the future will you know whether your vision and your goals are utopias or whether they can be realized.

 

The former German Chancellor Helmut Schmidt said: "Those who have visions should see a doctor."

 

In short, the problem with visions and goals is that they create a sense of security. But this security only exists on paper. Nevertheless, visions are powerful as long as they are congruent with your own identity. Examine whether you can achieve your vision through your abilities and network, using your vision as a rough guideline, not as a guide to action. By personally identifying with the recognized problem and using your inventory of means, you increase your intrinsic motivation to find a solution to the problem and thus drive your entrepreneurial actions.

At the start of your entrepreneurial activities, you do not have any clear market information available because the market for your unique product or service does not exist yet - a so-called Blue Ocean. Therefore it hardly makes sense to define clear goals in this initially extremely uncertain situation and to direct all your resources, time, and means towards these goals. You would find yourself in a false sense of security and, therefore, would close yourself off to the rapid changes in your environment. That is why it is so crucial that you use your existing means to get started. This will enable you to start entrepreneurial activities right away. Only when the venture is growing is the time ready for concrete goals that coordinate and organize joint activities.

So the entrepreneurial method does not make you act aimlessly. Instead, you learn to derive your vision and goals from your identity and your available resources. Consequently, goals are not the starting point of your entrepreneurial activity, but the result of your actions.

The advantage of the entrepreneurial method is that by "letting your means lead" you experiment in different ways before you find the right approach. However, this is important because the initial idea is rarely the final solution. This way, premature action should be avoided, whereas the best solution to the problem should be discovered as a goal during your entrepreneurial journey. Along this path, you will find and solve further goals one after the other, thus creating real customer benefits.